Heilkräuter: Gegen jedes Zipperlein
ist ein Kraut gewachsen

Pflanzen warten mit unterschiedlichsten Inhaltsstoffen auf. Entsprechend vielfältig ist ihr Wirkungsspektrum. Es macht sie zur Naturapotheke gegen fast alle Leiden und Beschwerden.

Heilkräuter: eine uralte Tradition

Kräuter sind immer sehr gefragt – in Küche und Hausapotheke gleichermaßen. Das Wissen um die Würz- und Heilkraft von Pflanzen ist uralt.

Steinzeitmenschen wussten bereits: Mit manchen Blättern und Früchten konnten sie ihren Speisen einen bestimmten Geschmack verleihen – und zugleich Krankheiten heilen. Auch aus der Zeit der griechischen und römischen Hochkulturen ist ein umfangreiches Wissen über die Nutzung von Kräutern überliefert.

Dieses Wissen bewahrten im Mittelalter vor allem die Klöster. Viele Erkenntnisse berühmter Heilkundiger wie der Äbtissin Hildegard von Bingen, die im 11. Jahrhundert wirkte, dem Naturheilarzt Paracelsus (16. Jahrhundert) sowie dem Pfarrer und Volksmediziner Sebastian Kneipp (19. Jahrhundert) sind bis heute gültig.

Kräuter als nützliche Wanderapotheke

Bewegung unter freiem Himmel ist gesund. Kleine Blessuren lassen sich dabei nicht immer vermeiden. Doch die Natur liefert ihre heilenden Kräutermittel gleich mit:

Beifuss in die Wanderschuhe gelegt, belebt und hilft gegen schwere Beine.
Gänsefingerkraut löst Verkrampfungen: betroffene Muskelpartien damit einreiben.
Beinwell bringt Erleichterung, wenn nach dem Umknicken die Knöchel schmerzen.
Breitwegerich wirkt gegen Blasen: Blätter reiben und auf die betroffene Stelle packen.

Schützende Stoffe: Der Mix macht's

Schutzstoffe, mit denen die Pflanze Fressfeinde oder Bakterien fernhält oder sich gegen Umwelteinflüsse wappnet, entfalten im menschlichen Körper heilende Kräfte. Fast immer beruht der Gesundheitseffekt auf einem Mix an Wirkstoffen:

Ätherische Öle wie sie in Salbei und Thymian enthalten sind, können bei Atemwegserkrankungen Linderung verschaffen. Das Menthol der Pfefferminze hilft bei Migräne und Erkältung. Rosmarin enthält Campher, das gut gegen Rheuma, Knochen- und Gelenkbeschwerden wirkt.
Gerbstoffe stoppen Entzündungen und fördern die Wundheilung – wirksam in Kamille oder Schafgarbe.
Flavonoide haben krampflösende, gefäßerweiternde, blutdrucksenkende und entzündungshemmende Effekte – enthalten in Petersilie oder Estragon.
Bitterstoffe – etwa in Wermutkraut – unterstützen die Verdauung.
Salicyl-Verbindungen lindern Schmerzen und stecken in Mädesüß und Minze.

Kräuter ernten: Das solltest Du beachten

Trockenes Wetter abwarten, damit das Grün nicht zu nass und schimmelanfällig ist.
Erntezeitpunkte beachten, der späte Vormittag ist ideal: Melisse vor der Blüte pflücken, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei zu Blühbeginn, Beifuß und Johanniskraut zur Vollblüte.
Schonend vorgehen und behutsam einzelne Blätter und Stängel pflücken oder mit einem scharfen Messer bzw. einer Schere schneiden, sodass sich die Pflanze regenerieren kann.
Zum Transport geeignet: Korb, Stofftasche, Papiertüte.

Auf Vorrat: Kräuter stets griffbereit

Frische Kräuter für den Verbrauch am selben Tag in ein Wasserglas stellen. Ansonsten in ein feuchtes Tuch gewickelt in Dose oder Beutel in den Kühlschrank legen.
Einfrieren lassen sich z.B. Petersilie, Schnittlauch, Dill oder Minze – am besten zerkleinert in Eiswürfelformen.
Zum Trocknen Salbei, Thymian, Lavendel, Rosmarin oder Pfefferminze an einem luftigen, dunklen Ort zu Sträußen gebunden kopfüber aufhängen. Lose Blätter und Blüten auf einem Trockenrahmen ausbreiten.
Zum Aufbewahren in luftdichte Gläser abfüllen.

Kräuter, die Geschmack und Gesundheit bringen

Bärlauch (Allium ursinum)

Freunde des Geschmacks von Knoblauch und Zwiebeln werden auch den vitaminreichen Bärlauch schätzen. Gekocht verliert er etwas an Aroma.

Seine Vitalstoffe hemmen Bakterien und senken sowohl Blutdruck als auch Blutfettspiegel. Außerdem wirken sie schleimlösend bei Erkältungen und Bronchitis und regen den Harnfluss an.

Borretsch (Borago officinalis)

Sein Aroma erinnert an einen Mix aus Zwiebel und Gurken. Deshalb wird er gerne zum Einlegen genutzt.

Borretsch-Öl gilt als probates Mittel gegen Hautkrankheiten wie Neurodermitis; es mindert den Juckreiz und hilft bei trockener Haut und Schuppen. Die Borretsch-Samen werden daher häufig als Zutat in Cremes verwendet.

Brennnessel (Urtica dioica)

Die jungen Blätter schmecken herbfrisch und aromatisch. Das Heilkraut entgiftet, regt die Verdauung an, wirkt harntreibend und antientzündlich.

Daher eignet es sich sehr gut zur Therapie von Rheuma, Gicht sowie von Harnwegs- und Gallenbeschwerden. Brennnesseltee ist ein Keimkiller und ist wegen seines hohen Eisengehaltes blutbildend.

Brunnenkresse (Nasturtium officinale)

Die kräftig herb schmeckenden Blätter enthalten wertvolles Vitamin C und Vitamin D sowie blutbildendes Eisen. Überhaupt ist die Pflanze ein hervorragender Mineralienspender.

Doch sie kann noch mehr: So unterstützt Brunnenkresse Nieren, Leber und Galle beim Entgiften. Die enthaltenen Bitterstoffe regen den Appetit an.

Liebstöckel (Levisticum officinale)

Der Geruch der Blätter erinnert an Sellerie, ist aber noch intensiver und daher zum Würzen ideal.

Weniger geläufig ist der Einsatz von Liebstöckel als Tee. Hierzu die Samen trocknen, aufbrühen und fertig ist der Trunk, der vor allem bei Appetitlosigkeit und Verstopfung hilft – aber auch bei Blasenentzündungen und Harnwegsinfekten.

Oregano (Origanum vulgare)

Die kleinen Blättchen schmecken wie ein pfeffrig-herber Mix aus Thymian und Majoran. Die Gerb- und Bitterstoffe in diesem mediterranen Kraut entkrampfen Magen und Darm.

Sie beseitigen Blähungen und regen nebenbei den Appetit an. Naturheilkundler setzen Oregano auch bei Hautentzündungen und Pilzerkrankungen ein.

Pimpinelle (Sanguisorba minor)

Die würzige und dezent-nussartig schmeckende Pflanze gehört in jedes Küchenkräutersortiment – erst recht in die Frankfurter Grüne Soße.

Doch beim Zubereiten die Blätter niemals kochen, sonst verlieren sie ihren Geschmack. Ein Tee aus den Blättern oder ein Sud aus den Wurzeln der Pflanze regen den Stoffwechsel an.

Salbei (Salvia officinalis)

Der Name Salbei (von salvare lat.: heilen) sagt alles: Die Pflanze gilt als Allzweckwaffe gegen alle möglichen Leiden.

So lindert Salbeitee übermäßiges Schwitzen, hilft bei Infektionen im Mund- und Rachenraum sowie bei Zahnerkrankungen. Salbei reinigt zudem die Haut und bekämpft Bakterien, die bei Pickeln Entzündungen befeuern.

Sauerampfer (Rumex acetosa)

Das Aroma der Blätter hat etwas von Zitronen und Rhabarber. Die Pflanze ist eine Vitamin-Bombe. Denn neben Vitamin C enthält die Pflanze die Vitamine B1, B2, B6 und E.

Zudem reinigt Sauerampfer das Blut, und die Gerbstoffe fördern die Produktion von Verdauungssäften. Kurzum: Die Pflanze macht deftige Speisen leichter bekömmlich.

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Für Gestresste ist die nach Zitronen duftende Pflanze ein Segen. Denn ihre Inhaltsstoffe beruhigen die Nerven und helfen bei Schlafstörungen.

Was nur wenige wissen: Melissentee, äußerlich angewendet, lindert die Beschwerden bei Insektenstichen. Und wer sich mit dem Tee vor dem Sport einreibt, kann damit Muskelkater vorbeugen.

Waldmeister (Galium odoratum)

Seine Blätter sind nicht nur beliebte Aromaspender für Bowlen, Götter- und Süßspeisen; sie machen als Zutat im Fußbad auch müde Beine munter.

Waldmeister vertreibt sogar die Frühjahrsmüdigkeit. Zudem wirkt er Entzündungen entgegen. Bäder mit Waldmeisterauszügen helfen etwa bei Hautverletzungen und Geschwüren.

Wohltuende Kräutertees:
Kräuter für die Hausapotheke

Kräutertees sollten Stammgäste in jeder Hausapotheke sein. Und so einfach sind sie herzustellen:

Getrocknete oder frische Blätter mit siedendem Wasser überbrühen, einige Minuten ziehen lassen und abseihen – fertig ist der Gesund-Trunk, der Magen, Herz und Seele wärmt.

Pfefferminze unterstützt die Verdauung.
Kamille lindert Entzündungen.
Fenchel tut gut bei Bauchkrämpfen und Blähungen.
Salbei hilft bei Husten und Atemwegserkrankungen.

Tausendsassa Lavendel

Es gibt mehr als 1.000 Nutzkräuter. Sie würzen Speisen, lindern Krankheiten, oder sie sind Duftstoffe für Kosmetika.

Manche, etwa Lavendel, können alles zusammen. Kein Wunder, denn der Duftkünstler enthält mehr als 2.000 Inhaltsstoffe – zwischen 300 und 400 davon sind medizinisch bedeutend.

Das erklärt auch die tragende Rolle von Lavendel in der Aromakologie, die das Zusammenspiel zwischen Duft, Nase und Gefühl erforscht.