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Upcycling

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Fotos: Thomas Eugster

Standgarderobe aus Skiern, Raumtrenner aus Schultafeln oder ein Weinregal in einem Kühlschrank – der Upcycling-Künstler François Rossier baut aus Fundstücken am Straßenrand originelles Mobiliar.

„Aus einem Möbelrest auf der Straße mache ich wieder etwas Brauchbares. Das tut mir gut, und der Welt tut es gut.“

François Rossier

Wegwerfen? Von wegen!

Seine Arbeitsmaterialien findet François Rossier am Straßenrand. Und nur selten sind die ausrangierten Objekte wirklich reif für die Mülldeponie. Der gebürtige Schweizer lebt seit 20 Jahren in Berlin – in seiner Wahrnehmung schon immer ein großer Bauplatz – und fing irgendwann an, die vielen heimatlosen Gegenstände aufzusammeln und mit nach Hause zu nehmen.

Er nahm sie auseinander und setzte sie in neuer Gestalt wieder zusammen. „Es ist irgendwie Magie. Du nimmst die Beine von einem Tisch weg, benutzt ihn als etwas anderes und merkst: Ein Tisch ist nicht nur ein Tisch. Durch ein paar einfache Handgriffe wird seine Funktion entfernt, und es entsteht etwas Neues daraus“, schwärmt Rossier.

Kunst-Nutz-Objekte aus dem Nichts

Alte Möbel, defekte Gebrauchsgegenstände, Baustellenabfälle – meist arbeitet Rossier mit Holz, Plexiglas und/oder Metall. Nachdem er seine Fundstücke nach Hause transportiert und eine Weile lagert, werden sie auseinandergenommen und gereinigt, repariert und verbessert. Dann schafft er sich Freiraum für Ideen, befreit sich von Konventionen, wie etwa von der Auffassung, dass man aus Brettern nur Tische fertigen kann.

Meist trifft ihn dann ganz unverhofft ein Geistesblitz. Und durch ein paar einfache Handgriffe entfernt er die ursprüngliche Funktion, arrangiert sie neu und es entsteht etwas Anderes daraus. Ein alter Kühlschrank dient dann etwa als Behausung für ein ausgefallenes Weinregal.

Wiederbeleben durch Zerlegen

Wenn Rossier Dachluken, Schultafeln oder gebrauchte Fettfilter in seine Bestandteile zerlegt spürt er jedes Mal ein befriedigendes Gefühl: Hier etwas entnehmen, dort die Perspektive ändern, und plötzlich ist es seinem ursprünglichen Zweck entfremdet.

Durch die abschließende Oberflächenbehandlung verleiht Rossier dem Material dann ein zweites Leben. „Wir glauben doch alle, dass die Dinge sind, wie sie sind. Für immer – und schon immer. Aber das stimmt gar nicht. Was ich mache, ist, diesen Prozess der Transformation zu beschleunigen.“

Eigentlich ist alles alt … und alles neu!

Mit seinen skurrilen Objekten bricht der Upcycling-Künstler die Illusion von Alt und Neu auf. Er genießt den Moment, wenn ein Ladenbesucher die ehemaligen Funktionen von Objekten in der neuen Gestalt wiedererkennt und sich mit der Frage beschäftigt: Ist das jetzt alt oder neu?

Denn erst bei näherer Betrachtung erkennt man die einzelnen Bestandteile. Manchmal sind sie aus mehr als fünf Quellen zusammengesetzt – wie etwa eine Lampe, deren Bestandteile aus einer Arztpraxis und der Kanalisation stammen.

Mehr Wertschätzung für Ressourcen

Rossiers ganz persönliche Utopie: Eine Sammelstelle für scheinbar verbrauchte Gegenstände, die zugleich als kreativer Ort für gemeinsames Werkeln dient. Das würde Ressourcen und Energie sparen – und die Welt ganz beiläufig ein Stückchen besser machen.

Laden-Werkstatt in „Kreuz-Kölln“

Rossiers Kunden schätzen seine Arbeit zwischen Kunst und Handwerk. Manche kommen zufällig an seinem Atelier in der Hobrechtstraße zwischen Kreuzberg und Neukölln vorbei. Andere bringen defekte Gegenstände mit, die eine besondere Bedeutung für sie haben.

Dann überlegen und planen sie gemeinsam, was daraus entstehen kann. Oder sie beauftragen Rossier gezielt mit individuellen Konstruktionen.

www.upcycling.mobi

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