Stille Nacht, heilige Nacht:
Dieses Lied gehört seit mehr als 200 Jahren zu Weihnachten

Es ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt: In rund 300 Sprachen und Dialekte wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ übersetzt. Im Jahr 2018 feierte der Weihnachts-Evergreen sogar seinen 200. Geburtstag.

Tourismusverband Oberndorf / Foto: Hermeter Tourismusverband Oberndorf / Foto: Hermeter
Die Stille-Nacht-Gedächtniskapelle in Oberndorf
Foto: Tourismusverband Oberndorf / Hermeter

Ein Lied auf der UNESCO-Liste

Seinen Siegeszug begann das Weihnachtslied in der St.-Nikolaus-Kirche in Oberndorf (Österreich). Dort wurde an Heiligabend 1818 in der Christmette zum ersten Mal „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen.

Heute kennt man Melodie und Text auf dem ganzen Globus, 2011 nahm die UNESCO das Lied gar in die Liste der immateriellen Kulturgüter auf.

Die Geburtskirche des bekanntesten Weihnachtslieds der Welt indes steht nicht mehr – an ihrer Stelle wurde die Stille-Nacht-Kapelle errichtet.

Die Entstehung von „Stille Nacht, heilige Nacht“

Um das Lied selbst und seine Entstehung ranken sich einige Anekdoten. Etwa die, dass am Abend der Uraufführung eine Maus den Blasebalg der Orgel zernagt und dadurch das Instrument außer Funktion gesetzt habe. Deshalb hätten die Interpreten auf Gitarrenbegleitung zurückgegriffen – ein für die damalige Zeit in der Kirchenmusik höchst ungewöhnliches Begleitinstrument.

Sicher ist, dass Joseph Mohr den Text von „Stille Nacht, heilige Nacht“ bereits 1816 verfasste. Zwei Jahre später, 1818, übergab er das Gedicht an Heiligabend dem Oberndorfer Organisten Franz Xaver Gruber und bat ihn, es für die Christmette für zwei Solostimmen, Chor und Gitarre zu vertonen. Noch am selben Abend erklang das Lied erstmals am Ende der Christmette: Als Solisten traten Mohr und Gruber auf.

Die weitere Verbreitung von „Stille Nacht, heilige Nacht“

Rasch wurde das Weihnachtslied im Zillertal bekannt und dann von Zillertaler Nationalsängern ins Repertoire aufgenommen. Mit ihnen „reiste“ das Lied bis nach Deutschland. In Leipzig wurde es 1833 erstmals veröffentlicht.

Von den ursprünglich sechs Strophen verblieben allerdings nur drei in neuer Reihenfolge: die erste, sechste und zweite Strophe. In dieser Version fand „Stille Nacht“ zunächst in den evangelischen Gebieten Deutschlands Verbreitung, später in ganz Deutschland sowie in Paris, London und Sankt Petersburg.

1839 trugen Sänger das Lied schließlich bis nach Amerika, wo es am Weihnachtstag in New York vor der Trinity Church gesungen wurde.

Mit Bing Crosby in die Charts

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchte das Lied bereits in Gesangbüchern in Schweden, England und Britisch-Indien auf. Christliche Missionare brachten das Lied bis nach Afrika, Neuseeland und Südamerika.

In den USA wird „Silent Night“ zu dieser Zeit bereits als das Weihnachtslied schlechthin gesungen. Die von Bing Crosby aufgenommene Version gehört mit 30 Millionen Exemplaren bis heute auf Platz drei der meist verkauften Tonträger weltweit. Auch Elvis Presley, Jimmy Hendrix und Johnny Cash nahmen Interpretationen des Weihnachtsklassikers auf.

So kam es, dass „Stille Nacht, heilige Nacht“, das Lied aus dem kleinen Ort Oberndorf bei Salzburg, Weltruhm erlangte – und auch in diesem Jahr wieder rund um den Globus zu hören sein wird.