Weihnachtsbräuche:
So feiert der Rest der Welt Weihnachten

Alle Jahre wieder... werden in Deutschland Weihnachtsbäume geschmückt und Plätzchen gebacken. Aber wie feiern eigentlich andere Länder Weihnachten? Wir nehmen Dich mit auf eine kleine weihnachtliche Weltreise.

So feiert Dänemark Weihnachten

Die Weihnachtszeit ist in Dänemark vor allem hygge – gemütlich. Der Baum wird meist in den Nationalfarben rot und weiß geschmückt, auch kleine Danebrog-Fähnchen finden sich oft daran.

Die traditionellste Weihnachtsdeko in Dänemark ist allerdings das Julhjerter, ein geflochtenes Weihnachtsherz in rot-weiß.

Neben dem Adventskalender gibt es noch andere Wege, dem Heiligabend entgegen zu fiebern: So zeigt das dänische Fernsehen in der Vorweihnachtszeit eine 24-teilige Serie. In vielen Haushalten findet sich auch eine Kerze, die in 24 Stückchen unterteilt ist – jeden Tag wird ein Stück abgebrannt.

Für die Weihnachtskobolde, Nisser genannt, wird traditionell eine Schüssel mit Milchreis auf den Dachboden gestellt, um sie gnädig zu stimmen.

Credit: Promote Iceland/ iceland.is

Typische Weihnachtsbräuche aus Island

Die Winternächte in Island sind lang und dunkel. Kein Wunder also, dass leuchtende Weihnachtsdeko hier besonders beliebt ist.

Weihnachtsbäume indes waren bis in die 60er-Jahre nicht sonderlich verbreitet – Schuld daran sind die Wikinger, die einst große Waldflächen abholzten und zu Bau- und Brennholz verarbeiteten. Bis heute werden daher große Teile der Weihnachtsbäume für die Isländer importiert, meist aus Schweden.

Kinder in Island bekommen ihre Geschenke nicht vom Weihnachtsmann, sondern von den sogenannten Jólasveinar, den Weihnachtsgesellen. 13 sind es an der Zahl – ab dem 12. Dezember kommt täglich ein anderer Gesell aus den Bergen zu den Menschen, bis am Heiligabend alle 13 versammelt sind.

Einst spielten diese Gesellen den Menschen kleine Streiche, heute erfüllen sie die Aufgaben des Weihnachtsmanns und legen den braven Kindern täglich ein kleines Geschenk und Süßigkeiten in einen blank geputzten Schuh. So, wie sie gekommen sind, verschwinden die Weihnachtsgesellen auch wieder – einer nach dem anderen, bis zum 6. Januar.

Eine sehr spezielle Speise gibt es in Island am Tag vor Heiligabend: Dann wird Gammelrochen (Kæst skata) serviert, der zum Himmel stinkt. Kein Wunder: Eigentlich ist der Fisch ungenießbar, da er Harnsäure nicht ausscheidet, sondern im Blut anreichert. Zum Verzehr muss der rohe Fisch mindestens vier Wochen fermentieren. Der Fisch verströmt einen intensiven Ammoniak-Geruch und schmeckt, so hört man, auch extrem scharf.

So wird in Frankreich Weihnachten gefeiert

In Frankreich unterscheiden sich die Weihnachtstraditionen zwischen den Regionen stark. So ist der Adventskranz („couronne de l’avent“) etwa nur im Elsass und in einigen Teilen Lothringens bekannt. Weihnachtsplätzchen sind gänzlich unbekannt.

Bei der Deko setzen Franzosen meist auf Misteln, Stechpalmen und eher kitschig anmutenden Schmuck. Am Weihnachtsbaum, der oft künstlich ist, dürfen bunte Kugeln und Lametta nicht fehlen. Darunter hat eine Weihnachtskrippe ihren festen Platz.

Besonders wichtig für französische Feierlichkeiten: das Essen! Am Heiligabend gibt es Champagner und gefüllten Truthahn, außerdem oft Austern, Stopfleber und reichhaltige Käseplatten.

Tradition hat auch der „Bûche de Noël“, ein Biskuit-Kuchen in Baumstamm-Optik. Die Optik dieses Weihnachtskuchens geht auf den Christklotz zurück – ein geweihtes Holzscheit, das früher als Weihnachtsbrauch im Ofen verbrannt wurde. Als Kamine und Holzöfen immer seltener wurden, fanden Konditoren mit dem Kuchen eine Möglichkeit, die Tradition abzuwandeln und fortzuführen.

Auch Weihnachtsmärkte werden immer beliebter in Frankreich – auch diese Tradition wurde zuerst im Grenzgebiet zu Deutschland begründet. Der traditionellste Weihnachtsmarkt ist der „Christkindelsmärik“ in Straßburg. Er findet bereits seit 1570 statt.

So feiert man Weihnachten auf den Philippinen

Während sich in Deutschland all daran stören, dass Lebkuchen und Spekulatius schon Monate vor Weihnachten in den Läden liegen, kann Weihnachten auf den Philippinen gar nicht lang genug gehen: Los gehen die Feierlichkeiten bereits im September – und beendet sind sie erst im Januar, am Dreikönigstag. Damit sind die Philippinen unbestritten das Land mit der längsten Weihnachtssaison.

Bereits im September, wenn es früher dunkel wird, werden in Einkaufszentren und Parks die ersten Weihnachtsdekorationen angebracht. Auch Weihnachtslieder sind dann bereits überall zu hören.

Eine traditionelle Dekoration, die es nur auf den Philippinen gibt, heißt „Parol“ – das sind sternförmige Bambuslampen mit buntem Papier.

Besonders bekannt und farbenprächtig ist die Weihnachtsbeleuchtung im Stadtpark der philippinischen Hauptstadt Manila, der Ayala Triangle Gardens. Auf mehr als 20.000 Quadratmetern tanzen dann mehr als 1 Million Lichter im Takt der Musik.

Das Licht-Spektakel findet täglich zwischen 18 und 22 Uhr statt, die Shows starten im 30-Minuten-Takt. Bereits zum zehnten Mal lockt die opulente Weihnachtsbeleuchtung zahlreiche Besucher in den Park. In diesem Jahr tanzen die Lichter zu bekannten Disney-Songs, Hintergrund ist der 90. Geburtstag von Micky Maus.

Als „Simbang Gabi“ oder „Misa de Gallo“ bezeichnet man die neun Tage vom 16. Dezember bis Heiligabend – hier wird täglich im Morgengrauen eine Messe abgehalten. Wer alle neun Messen in Folge besucht, dessen Wunsch soll in Erfüllung gehen.

Weihnachtstraditionen aus Schweden

Was den Deutschen „Dinner for One“ an Silvester, ist den Schweden „Kalle Anka“ an Heiligabend. Hinter dem Namen „Kalle Anka“ verbirgt sich Disney's Donald Duck... und mit ihm das Disney-Weihnachtsspecial „From all of us to all of you“.

Seit 1960 ist diese Sammlung von Zeichentrick-Kurzfilmen nicht mehr aus dem schwedischen TV-Programm wegzudenken. Punkt 15 Uhr sitzen große Teile des Landes vor dem Fernseher und schauen sich Jahr für Jahr die Abenteuer von Mickey Maus, Goofy & Co. an.

Zu Heiligabend wird üppig aufgetischt: Julbord nennt sich das traditionelle schwedische Weihnachtsbüffet, das aus vielen verschiedenen Gerichten besteht. Im Zentrum der Tafel steht der saftige Weihnachtsschinken, der vor dem Backen im Ofen mit Senf bestrichen und mit Semmelbröseln bestreut wird. Auch Hering in Salzlake darf auf keinen Fall fehlen – meist sind es gleich mehrere Sorten.

Zur typischen Weihnachtsdeko in Schweden gehört der Julbock, eine Ziegenbockfigur aus Stroh.

So feiert Kroatien Weihnachten

In Kroatien wurden nicht immer Nadelbäume in der Weihnachtszeit dekoriert – anfangs schmückte man dort Laubbäume mit vergoldeten Walnüssen und Haselnüssen.

Besonders verbreitet ist der Brauch des Weihnachtsweizen: Am 13. Dezember wird Weizen gepflanzt, je höher er bis Weihnachten wächst, desto erfolgreicher wird das neue Jahr.

Zu Heiligabend bindet man eine Schleife in den Nationalfarben Kroatiens, Rot, Weiß und Blau, um den Weizen. Teilweise wird auch eine oder mehrere Kerzen in das Grün gesteckt.

Weihnachtsbräuche aus Finnland

Der Weihnachtsmann wohnt in Finnland. Genauer gesagt, in Rovaniemi, direkt auf dem Nördlichen Polarkreis. Dort liegt das Dorf des Weihnachtsmanns, eine Art Weihnachts-Erlebnispark für Groß und Klein.

Mehr als 500.000 Besucher kommen jährlich – und das nicht nur in der Weihnachtszeit. Damit ist das Dorf des Weihnachtsmanns inzwischen die berühmteste Attraktion Lapplands. Neben Restaurants, Souvenir-Shops und Cafés findet sich dort auch das Postamt des Weihnachtsmanns, an das Kinder aus aller Welt ihre Wunschzettel schicken.

Außerdem gibt es die Möglichkeit zu Ausflügen mit Huskys, Rentierschlitten oder einem Schnee-Scooter. Ganz Mutige übernachten im Iglu-Hotel, für alle anderen gibt es ein Feriendorf.

Doch auch ab des Weihnachtsmanndorfs hat Finnland einige Traditionen zu bieten.

Eine typisch finnische Weihnachtsdekoration etwa ist das Himmeli, ein pyramidenförmiges, von der Decke hängendes, Mobile aus Strohhalmen. Kleinere Versionen davon gibt es auch als Christbaumschmuck.

Da die Sauna wichtiger Teil der finnischen Kultur ist, darf sie auch an Weihnachten nicht fehlen: Der weihnachtliche Saunagang findet vor dem Festmahl statt. Auf den Tisch kommt abends traditionell der Weihnachtsschinken, oft begleitet von einem Salat aus Kartoffeln, Karotten und Rote Bete.

So wird Weihnachten in Australien gefeiert

Wenn Australien Weihnachten feiert, ist dort Hochsommer. Da die Rentiere bekanntlich Eis und Schnee gewohnt sind, tauscht der Weihnachtsmann sie einem bekannten australischen Weihnachtslied zufolge gegen sechs weiße Kängurus aus.

Schneemann bauen, Glühwein trinken, Festtagsbraten – unsere klassischen Weihnachtstraditionen passen schon wegen der Temperaturen nicht zu Heiligabend „down under“.
Das Alternativprogramm: Man trifft Familie und Freunde zum Grillen am Strand, der Weihnachtsmann trägt Flip-Flops oder kommt auf dem Surfbrett – und zum Trinken gibt's kaltes Bier.

Auch die bei uns im Winter allgegenwärtigen Mandarinen haben in Australien keine Saison. Stattdessen gibt's riesige Schüsseln voller Kirschen.

Weihnachtlich geschmückt wird trotz der sommerlichen Temperaturen. Der Weihnachtsbaum ist allerdings fast immer aus Plastik.